higley

by Jasmin Haselsteiner

Um Globalisierung – in Form von Expansion der Städte und Abverkauf von Immobilien – in kleinstem Rahmen geht es in Andrew Phelps jüngstem Fotoprojekt Higley. Eine ruhige Kleinstadt in Arizona, einst agrarer Ort mit Milchwirtschaft, Zitrusfrucht- und Baumwollplantagen, wird zunehmend durch das Wachstum der nahen Metropole Phoenix dieser einverleibt.

Zuerst versuchten sich die Bewohner gegen die stärker werdende Verbauung durch neue Wohnsiedlungen und den damit einhergehenden Ausverkauf der Stadt zu wehren. Mit eigenen Mitteln wie nächtlichen Maislabyrinths, Kürbis- oder Straußenfesten bemühte man sich das eigene Überleben zu sichern. Zunehmend verwandelten sich aber die veralteten bäuerlichen Behausungen, ihre Äckern und Felder in die Verwirklichung des american dream: makellose, uniforme Einfamilienhäuser mit eigenem Garten und Swimmingpool wurden in Windeseile aus dem Boden gestampft. Zwei holprige Straßen, die einst durch die Stadt führten, wurden zu Prachtboulevards mit viel versprechenden Namen wie Sunset Haven oder Liberty Road ausgebaut. Viehscheunen, kleine Greißlermärkte und Hot Dog Buden wichen modernsten Einkaufszentren mit riesigen shopping malls und Fast-Food-Ketten. Vielfältigkeit machte Monotonie Platz, Individualität der Homogensierung.

Andrew Phelps versucht in seinen Bildern keineswegs einen mitleidigen Blick auf die Stadt seiner Großväter zu vermitteln, noch zu predigen. Diese Fotos sind mehr als Dokumente des Wandels von landwirtschaftlichem Boden in moderne Wohnsiedlungen, sondern sie erzählen von Heimat und Identität. Durch seine einfühlsamen Porträts ihrer BewohnerInnen wie vom Doc Nickel, den älteren Ladies Kay und Laura oder der Katzenliebhaberin Mrs. Schmidt und ihre unzähligen Gespräche, bleibt die Geschichte des Ortes lebendig. Ihre Behausungen zeigen ihre tiefe Verbundenheit mit dem spezifischen Ort, den sie als Heimat definieren. Artifizielle Naturrelikte, wie ein ausgestopfter Bär neben einem Hamsterkäfig, ein Elchkopf an der Schlafzimmerwand oder das Gemälde eines Cojoten im farbenprächtigen Sonnenuntergang veranschaulichen ihre Sehnsucht nach Ruhe und Harmonie in den eigenen vier Wänden.

Mehr interessierte den Fotografen jedoch der Transformationsprozess – der Wandel vom Alten ins Neue und die damit einhergehende fortschreitende Zerstörung, die er über einen Zeitraum von drei Jahren verfolgte. Halb abgerissene Häuser ohne Dächer und Zurückgelassenes vermitteln den Ausdruck nicht nur materiellen Verlustes und Veränderung. Ein ironischer Blick fällt dabei auf die Relikte, die von den ehemaligen HausbewohnerInnen zurückbleiben: alte Medikamente zwischen rostigen Konservendosen und Heiligenkerzen oder die Weihnachtsbeleuchtung des vergangenen Jahres über dem Kaminsims. Aber auch Sentimentalität kommt auf angesichts einer Tafel voller Erinnerungsbilder einer Familie – Phelps Familie, einem Stück Vergangenheit, dem im neuen Heim kein Platz zugedacht wird.

Parallel dazu wächst das neue, moderne Higley, das zusehends an Erscheinungsbild gewinnt. Mächtige Baustellen und viel versprechende Ankündigungsschilder verheißen ebenso wie bereits realisierte Prachtalleen die Verwirklichung der neuen Traumheimat.

Das alte Higley verschwindet im Sommer 2007 endgültig von der Landkarte – Weiterleben wird seine Geschichte nur in den Erinnerungen der ehemaligen BewohnerInnen und in Andrew Phelps fotografischer Dokumentation.

Für EIKON magazine

HIGLEY 

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